Eine Reise in die Vergangenheit Québecs - Interview mit dem Regisseur von Corbo


Nachdem ich am Dienstag Abend Corbo gesehen hatte und nach dem ausführlichen Publikumsgespräch (ganz zu schweigen von dem ganzen Pressematerial) hätte man meinen können, dass ich inzwischen genug über den Film herausgefunden hatte. Dem war allerdings nicht so. Als sich die Gelegenheit ergab, eilte ich sofort herbei - gefolgt von den anderen Generationreportern -, um nun auch noch einmal persönlich mit Mathieu Denis, dem Regisseur von "Corbo", sprechen zu können.
Er war ein sehr angenehmer Interviewpartner. Er hörte gut zu und erzählte gerne und viel zu den jeweiligen Fragen.

Es folgt eine Zusammenstellung der Fragen aus dem Publikumsgespräch, dem Pressematerial und unserem persönlichem Interview.


Woran versucht Ihr Film zu erinnern?
Es ist interessant, dass Sie das erwähnen, da das Motto von Québec „Je me souviens“, also „Ich erinnere mich“, lautet. Dennoch scheinen wir Québecer diesen Teil unserer Geschichte vergessen zu haben und eher in die Zukunft gucken zu wollen. Genau das ist aber ein großer Fehler. Es ist verständlich, dass man sich nur an die guten Dinge der Vergangenheit erinnern möchte, aber wenn man sich nicht über die Fehler der Vergangenheit im Klaren ist, werden sich diese wiederholen. Außerdem können wir, wenn wir diese Geschehnisse verstanden haben, auch unsere Gegenwart viel besser nachvollziehen.

Ist die Geschichte Jean Corbos in Kanada (oder Québec) sehr bekannt?
Damals, als diese ganzen Dinge passiert sind, die auch in Corbo dargestellt werden, war der Fall von Corbo sehr bekannt, doch leider scheint er über die Zeit in Vergessenheit geraten zu sein. Ich hab von diesem Vorfall durch meinen Vater gehört, der damals, als es passiert ist, im gleichen Alter wie Jean gewesen war, weshalb ihn diese Angelegenheit sehr mitgenommen und persönlich getroffen hat. Deswegen hat er diese Geschichte nie vergessen und mir schließlich erzählt, als ich alt genug war.
Ich persönlich war sehr fasziniert davon. Ich wollte herausfinden, ob ich in Jeans Alter, zu solch extremen Handlungen bereit gewesen wäre. Die Antwort dazu war nein, da ich wirklich keinen Grund gesehen habe. Ich wollte unbedingt herausfinden, was ihn dazu getrieben hat, weshalb ich letztendlich einen Film über ihn gedreht habe.

Wie haben Sie sich auf den Film vorbereitet? Wie haben Sie ihn geplant?
Natürlich musste ich zunächst eine Menge Nachforschungen anstellen. Ich habe versucht, die Gerichtsakten einzusehen, doch musste ich feststellen, dass die Akten alle 30 Jahre gelöscht werden. Erneut habe ich mich gefragt, wie das mit unserem Motto „Je me souviens“ zusammenpassen soll.
Dann habe ich versucht Familienangehörige zu treffen und herauszufinden, wie sie die damaligen Ereignisse erlebt haben. Ich habe mich also mit vielen Leuten unterhalten. Übrigens auch mit alten Mitgliedern der FLQ, die damals dabei gewesen waren. Nachdem ich alles, was ich brauchte, herausgefunden hatte, versuchte ich meinen Standpunkt zu finden. Da Corbo keine Dokumentation werden sollte, musste ich mir zunächst meine eigene Meinung bilden, um diese dann darstellen zu können.

Wie haben Sie Ihre Schauspieler gefunden?
Das war etwas, was mich sehr betroffen hat, als ich mit den Nachforschungen begann: Dass die Leute alle so jung waren. Mir war von Anfang an klar, dass ich keinen 25-Jährigen die Rolle von Jean würde spielen lassen können, da man mit 16 noch eine gewisse Art von Idealismus, Naivität und Romantik hat, die man mit der Zeit verliert.
Also habe ich ein normales Casting gemacht, wobei ich eine Menge Kandidaten sah. Zufälligerweise war aber Anthony, der Schauspieler von Jean, der erste dieser Kandidaten, den ich mir angesehen habe und wie das eben so ist, wenn man einmal etwas sehr Gutes gesehen hat, habe ich alle anderen immer mit Anthony verglichen und musste letztendlich feststellen, dass keiner so gut war wie er.

Jeans Weg wirkt sehr bestimmt. War es Absicht, dass es so unausweichlich wirkt? Als ob es seine Bestimmung wäre?
Ja, das war es. Die Idee kam mir sehr früh. Es sollte so wirken, als wäre Jeans Weg unausweichlich, dass ihn im Grunde alles zu diesem Ende lenkt. Ich wollte es so darstellen, als wäre es seine Bestimmung. Allerdings denke ich, dass wenn nicht er es gewesen wäre, ein anderer gestorben wäre. Es wirkt als hätte diese Verknüpfung von Geschehnissen ihm praktisch keine andere Möglichkeit gegeben, als so zu handeln wie wir es im Film gesehen haben.
Die erste Zeile aus dem Gedicht, das ich am Ende des Films gezeigt habe, lautet „Tu allais Jean Corbo au rendez-vous de ton geste“, was so viel bedeutet wie „Du warst, Jean Corbo, auf dem Weg, dein Schicksal zu treffen“. Für mich war dieses Gedicht sehr wichtig. Es machte mir klar, dass ich Corbos Geschichte genau so darstellen wollte, dass der Zuschauer merkt, dass etwas Unausweichliches in diesen Geschehnissen liegt.
Daher ist der Film auch chronologisch aufgebaut. Im Grunde arbeiten alle Ereignisse auf den Höhepunkt hin, dass Jean stirbt.

Was ist Ihre persönliche Lieblingsszene in Ihrem Film?
Mir persönlich gefällt die Szene sehr gut, in der Jaques, der die Bombe gebaut hat, die Explosion hört. Der Moment, in dem er völlig fassungslos ist, dass sie jetzt schon explodiert ist. Diese Szene finde ich sehr berührend.
Außerdem gefällt mir auch die letzte Szene, in der man Jean im Wald stehen sieht. Wir haben diese letzte Szene sehr schnell geschnitten und das Voice-over eingefügt, sodass ich, als ich sie das erste Mal richtig sah, angefangen hab, zu weinen. Mir war das etwas peinlich, aber diese Szene war echt herzzerreißend, dass die FLQ-Mitglieder sich so von Jean distanzierten und sagten, sie hätten ihn nicht richtig gekannt.

Warum wurde nichts von den Demonstrationen gezeigt, die damals auf den Straßen passierten? So erhielt man den Eindruck, als wären nur um die 15 Personen in der FLQ.
Das war eine sehr bewusste Entscheidung, die ich getroffen habe. Natürlich hätte ich mit den Charakteren auch auf irgendwelchen Protesten auf der Straße sein können. Das Problem damit war allerdings, dass ich den Film auf einer sehr intimen Ebene machen wollte. Ich wollte die Persönlichkeiten, die hinter dieser terroristischen Gruppe stehen, hervorheben. Ich hatte tatsächlich solche Szenen gedreht gehabt, doch als ich mir diese später noch einmal anschaute, hatte ich das Gefühl, dass sie nicht passen würden, dass sie den Fluss des Films stören würden und dass Corbo dann mehr wie eine Dokumentation erscheinen würde, was ich garantiert nicht wollte.
Um den Film in den historischen Kontext einzuordnen, habe ich zu Beginn des Films diese kurze Zusammenfassung der Ereignisse aufgelistet, damit ich mich im Film dann mehr auf die Charaktere konzentrieren konnte.

Haben Sie den Charakter von Jeans Bruder absichtlich völlig gegensätzlich agieren lassen, obwohl beide das gleiche Ziel hatten?
Ich fand die Vorstellung sehr interessant, dass Jean jemanden hat, der sehr unterschiedlich vorgeht. Jeans Bruder legt alle seine Vorstellungen völlig offen und erzählt jedem von seinen Ansichten, während Jean seine Gedanken sehr zurückhält. Eben diese Gegensätzlichkeit fand ich interessant, ja.

Was hat es damit auf sich, dass kaum Frauen in dem Film vorkommen? Liegt das daran, dass sie glauben, dass Frauen sich in der Geschichte eher zurückgehalten haben oder dass sie denken, dass Frauen von solchen Gedanken befreit sind oder was waren ihre Gründe?
In diesem Fall war ich an die Fakten gebunden, da der Film auf einem historischen Ereignis basiert. Die FLQ bestand tatsächlich hauptsächlich aus Männern, weshalb ich kaum Möglichkeiten hatte, Mädchen einzubinden. Es stimmt, dass Corbos Mutter ein wenig in den Hintergrund gerückt ist, doch liegt das daran, dass Jean meiner Meinung nach eine sehr interessante Beziehung zu seinem Opa und zu seinem Vater hegt, die och hervorheben wollte.
Also war es nicht meine bewusste Entscheidung, Frauen von dem Film auszuschließen. Ich konnte einfach keine neuen Personen erfinden, nur um politisch korrekt zu handeln.

Welche Lektion sehen Sie in Ihrem Film, wenn man ihn auf heute überträgt?
Ich glaube die Québecer sehen sich selbst nicht als wirkliche Kanadier, wodurch sie Probleme haben sich in Kanada einzugliedern. Und dass, obwohl sie bereits zweimal bei einem Referendum abstimmen konnten, ob sie weiterhin zu Kanada gehören wollten oder nicht. Da beide Male gegen die Unabhängigkeit gestimmt wurde, kann man deutlich erkennen, dass die Québecer momentan nicht wissen, was sie wollen. Sie befinden sich in einer Identitätskrise.
Diese Identitätskrise spiegelt sich auch in Jeans Geschichte wieder. Durch seinen halb-italienisch, halb-französisch-kanadischen Hintergrund, war auch er in einer Identitätskrise. Er hat nicht wirklich zu der italienischen Gruppe gehört, aber auch nicht ganz zur französischen.
Das ist meiner Meinung nach wahrscheinlich auch ein sehr wichtiger Grund, weshalb er der FLQ beigetreten ist. Er wollte sich endlich eine Identität zulegen. Er musste sich entscheiden.
Übertragen heißt das, dass auch die Québecer sich irgendwann werden entscheiden müssen.
Der momentane Zustand führt nämlich zu nichts, nur zu einer Menge Unglück und Spannungen.
Als weitere Botschaft war mir wichtig, dass man die Energie, die Jean und seine Kameraden besitzen, wahrnimmt. Natürlich hoffe ich nicht, dass jemand jetzt losrennt und Bombenattentate ausübt. Ich hoffe nur, dass man von dieser Energie inspiriert wird. Ich denke, dass wir heutzutage ein wenig den Optimismus verloren haben, den Glauben daran, wirklich etwas ändern zu können, der in der damaligen Zeit noch vorhanden war. Ich hoffe, dass wir einen Weg finden, diesen Optimismus wiederzufinden.

Gab es während Ihrer Nachforschungen etwas, dass sie besonders geschockt hat? Etwas, das Sie den Zuschauern unbedingt auf irgendeine Weise klar machen wollten?
Ich hatte die Möglichkeit, mir die Unterlagen der Biopsie zu Jeans Todesfall anzugucken. Zunächst war ich mir nicht sicher, ob ich das wirklich machen wollte, doch schließlich habe ich mich überwunden. Dadurch, dass Jean so nah am Auto war, als die Bombe explodiert ist, war sein Oberkörper nahezu unversehrt. Wenn man dann die Bilder anschaut, sieht man wirklich das Gesicht eines Teenagers, seine Augen sind offen und er wirkt fast lebendig. Wegen dieser Bilder fand ich es notwendig, Jean am Ende des Films noch einmal zu zeigen, weil man dieser Tragödie ein Bild geben muss. Das war zwar ein sehr harter Part der Nachforschungen, aber es änderte meine Art, wie ich den Film drehen wollte.

Dies ist ihr erster Langfilm als ein Soloregisseur. Haben Sie sich dieses Thema extra für Ihren ersten Film aufgehoben oder kam das zufällig?
Ich habe mir dieses Thema nicht genau dafür aufgehoben, nein. Es war sogar eher schlecht, solch ein Thema zu wählen, da der Film auch irgendwie finanziert werden musste. Für Corbo musste man wegen des historischen Bezugs noch mehr Geld bezahlen und als unerfahrener Regisseur ist es schwierig jemanden zu finden, der den Film dann finanziert.
Also habe ich mir das Thema nicht dafür ausgesucht. Es ist vielmehr so, dass ich ständig auf der Suche nach Themen bin und nach einiger Zeit ist es einfach klar, was für ein Thema einen gerade interessiert und worüber man unbedingt berichten möchte. Corbo ist zwar historisch, hat aber dennoch so viele Bezüge zur Gegenwart, dass ich das Gefühl hatte, dass ich diese Geschichte unbedingt erzählen müsste.

13.02.2015, Sarah Gosten

Goldene Gedanken - Interview zu Golden Kingdom

Nach dem Screening von „Golden Kingdom“ habe ich die Möglichkeit ein Paar Worte mit dem Regisseur Brian Perkins und zwei der Kleinen Mönche zu wechseln:

 Myanmar ist erst seit kurzem wieder für die Außenwelt geöffnet, welche Schwierigkeiten und Probleme gab es bei der Produktion dieses Filmes?

Wir hatten keine Erlaubnis diesen Film zu drehen. Ich habe keinen Antrag gestellt, sonst währen viele Probleme entstanden. Diese Erlaubnis kostet viel, viel Geld, der Film kann zensiert werden und außerdem hätte beim Dreh ein Überwacher der Regierung dabei seien müssen. Das wollte ich nicht. Ich war auf der schwarzen Liste in der Botschaft in Bangkok von Myanmar. Einer meiner Kumpel war in Wirklichkeit ein Spion und hat mich gemeldet. Zum Schluss habe ich nur ein Visum für 10 Tage bekommen.

Wie kam es zur Produktion dieses Filmes?

Ich bin durch Myanmar gereist und bin dort auf einer Wanderung durch die Berge auf das Kloster gestoßen, dass wir im Film sehen. Dieser Ort hat mich inspiriert und da kam mir die Idee einen Film hier zu drehen. Ich habe den Mönch und die kleinen Novizen kennen gelernt und mit ihnen über die Idee geredet. Danach bin ich zurück in die USA und habe mich informiert über die Geschichte Myanmars. Ich wollte die Geschichte dieses Landes an die Außenwelt erzählen.

Im Sommer kommt ihr Film in die Deutschen Kinos. Wird er auch in Myanmar gezeigt?

Das ist noch unklar. Aber wir wollen ihn unbedingt zeigen.

Wie haben sie diese Jungs gefunden?

Der eine Junge ist wirklich in dem Kloster, er zeigt also sein wirkliches Leben. (Ich betrachte seine Mönchskutte, die exakt so aussieht wie die im Film) Die Hauptrolle ist die einigste die wir gecastet haben. Die beiden Jungs haben sich schnell angefreundet.

Wie sieht das Leben dieser beiden Jungs aus?

Der eine Junge wohnt in der Stadt der andere im Kloster. Das ist ein großer Unterschied. Der Junge von der Stadt wohnt mit seiner Familie hat einen Fernseher, Handy usw. Er geht in die Schule, steht am Wochenende spät auf, schaut Filme und spielt Fußball. Der kleine Mönch schaut nur manchmal die Kongfu Filme, dann bringt jemand einen Fernseher vorbei und 20 Kinder sitzen darum. Sonst ist sein Leben so wie wir es im Film gesehen haben. Sie spielen auch gerne Fußball.

Wer von euch meditiert?

Der kleine Mönch meditiert eine halbe stunde am Tag, die kleineren 15 Minuten. Der Junge aus der Stadt meditiert nicht.

Und sie Brian?Oh ja ich meditiere sehr viel.

Hmm... vielleicht sollte ich es doch nochmal mit dem Meditieren versuchen... Ich bedanke mich für das Interview und versuch noch gefühlte 5 Minuten Danke auf burmesisch zu sagen. Dann renne ich weiter zum nächsten Film.
13.02.2015, Liv Thastum

Von der Geschichte geprägt

„Goldenes Königreich“ ist ohne Zweifel eine sehr beeindruckende Produktion. Dieser Film erzählt mit ruhiger Kamera, wunderschönen Bildern und viel Gefühl die Geschichte Myanmars und die 4 kleiner Mönche. Der Hintergrund zu diesem Film hat mich so beeindruckt, dass ich diesen Film schon gut fand bevor ich ihn gesehen habe. „Golden Kingdom“ ist der erste internationale Spielfilm der in Myanmar gedreht wurde, seit das Land wieder zur Außenwelt geöffnet ist. Falls ihr nicht genau über den Buddhismus und die Geschichte Myanmars bescheid wisst, empfehle ich euch kurz in den Hintergrundartikel „Räucherstäbchen und Mönchskutten - Das ist der Buddhismus?“ rein zu schauen. Ich muss ehrlich sagen, dass ich doch überrascht war wie ruhig dieser Film ist. Man sieht die Jungen bei ihrem Gebet, beim spielen und man sieht die überwältigende Natur Myanmars. Schon wegen dieser Aufnahmen lohnt es sich diesen Film zu sehen. Aber ich denke, dass das jüngere Publikum vielleicht doch nicht ganz die Geduld hat sich in diese Welt zu vertiefen. Wenn die Eltern ihren Kinder vorher nicht über die Geschichte Myanmars aufgeklärt haben, ist dieser Film sehr schwer zu verstehen: Eines Tages bekommen die kleinen Jungs kein Essen mehr. Komische Dinge passieren, sie hören Schüsse und eines Tagen kommt ein Verwunderter Mann zu ihnen aufs Kloster. All diese Ereignisse sind Folgen der Militärdiktatur in Myanmar. Aber wenn du als 10 Jähriges Kind, diese Geschichte nicht kennst oder verstehst, dann ist dieser Film leider nicht so gut wie er seien könnte. Mich hat dieser Film wirklich sehr beeindruckt und ich würde ihn an jeden weiterempfehlen, der sich kurz die Zeit nimmt sich mit der Geschichte Myanmars zu beschäftigen!
13.02.2015, Liv Thastum

Dokumentarfilm für Kinder?

Um die Dokumentarfilme der Generation machen viele Kinogänger einen Bogen. "Doku ist langweilig!" "Es ist wie es ist" ist der erste Dokumentarfilm im K+ Programm, der nicht nur über Kinder, sondern auch für Kinder ist.

Dieser Film spiegelt das schöne und das schwierige eines Buddhisten-Lebens wieder ohne sich dabei auf eine Seite zu schlagen. Der kleine William repräsentiert das gute. Nachdem er in einer Fernsehsendung mitgespielt hat, will er unbedingt Mönch werden. Er ist vom Buddhismus fasziniert. Der kleine Bandit hat es schwieriger. Er geht auf ein buddhistisches Internat. Er mag es nicht, er will nach Hause! Er klaut, schwänzt und ist frech um nach Hause geschickt zu werden. Die beiden Jungs haben zwei sehr unterschiedliche Leben. William ist ziemlich reich und wohnt in der Stadt. Bandits Familie ist arm und gehört zur ethnischen Minderheit des Berggebietes des Landes. Dieser Film schafft es lehrreich, unterhaltsam und ehrlich zu sein. Obwohl das Publikum natürlich nach einer Zeit etwas unruhig wurde, hatte ich nicht das Gefühl, dass niemand im Saal sich gelangweilt hat.

Den großen Aufruhr im Kino gab es als ein Huhn geschlachtet wurde. „Ihh, und bää...“ haben die Kinder gerufen. „Aber als Chicken Nuggets wollen sie es alle essen“, meinte die Frau neben mir. Ich muss sagen , dass ich dieses Jahr fast keinen Film gesehen habe, in dem kein Tier geschlachtet wurde. Natürlich ist es oft Teil einer Kultur und denn soll man im Kino auch zeigen, aber irgendwie habe ich fast das Gefühl, dass es „Modern“ geworden ist solche Szenen einzubauen.

Aber zurück zu "Es ist wie es ist". Ich kann diesen Film an jeden weiterempfehlen, auch an Kinder. Er gibt Einblick in eine andere Kultur und ist dabei noch spannend! Aber natürlich soll man wissen, dass es ein Dokumentarfilm ist und keine wilden Actionszenen erwarten.
13.02.2015, Liv Thastum

Cloro

Cloro ist ein Filmdebüt ganz besonderer Art, dass der Regisseur Lamberto Sanfelice produziert hat. Die 17-jährige Jenny tut alles dafür, um bei den Meisterschaften im Synchronschwimmen dabei sein zu können - doch muss sie gleichzeitig für ihre Familie sorgen. Die Mutter ist verstorben, der Vater ist in seiner Trauer eingeschlossen, verliert seine Arbeit, kann das Haus nicht mehr bezahlen. So kehren sie in seine Heimat zurück und leben in eine kleinen Holzhütte an einer Sesselliftstation, wie Jenny hofft, vorübergehend. Sie versorgt Vater und Bruder, verdient etwas Geld als Zimmermädchen in einem nahen Berghotel. Dort geht sie auch nachts heimlich zum Trainieren in das hoteleigene Schwimmbad. Was jedoch nicht lange unbeobachtet bleibt...

„Traumhafte Unterwasserbilder von Körpern, die sich zu rhythmischer Musik bewegen und tanzen.“, so berlinale.de. Eigentlich sollte der Film ganz ohne Musik auskommen, erklärte uns der Regisseur nach der Vorführung. Am Ende habe er sich für einen sparsamen Einsatz von Filmmusik entschieden, genau richtig, wie eine Zuschauerin kommentierte.
Anatol Sassi spielt den Bruder von Jenny. Ihm haben die Dreharbeiten gefallen, erzählte er mir. Am meisten interessierte ihn, wie ein Film zustande kommt, also, wo die Kamera stehen muss und wie der Regisseur arbeitet. Außerdem war ihm die Beziehung „hinter den Kulissen“, mit vor allem Sara Serraiocco, die seine Schwester spielte, sehr wichtig.
Alle Schauspieler waren auf jeden Fall sehr stolz darauf, dass Cloro auf der Berlinale zu sehen war und waren glücklich, dass sie so eine tolle Reise erleben konnten. Franek, der den Vater von Jenny spielte, meinte noch, dass man dem Regisseur für die tolle Organisation danken müsse, denn viel Zeit am Set sei nicht vorhanden gewesen. Oft hätten die Darsteller improvisiert.
Wie bei vielen Berlinale-Filmen regt Cloro zum Nachdenken an. Manchmal wurde die (Hand-)Kamera, meiner Meinung nach, etwas zu schnell geschwenkt, sodass man nicht ganz folgen konnte. Ansonsten ist Cloro ein Film, dem ich jeden ans Herz legen möchte.

11.02.15, Lucas Zemke (Gast)

Cirkeln or The Circle

Sechs Mädchen, die nach einem mysteriösen Selbstmord entdecken, dass sie magische Kräfte haben. Ihre Aufgabe ist es, die Dämonen daran zu hindern, ihre Welt zu zerstören. Doch dabei geraten sie auf einmal selbst in Lebensgefahr.
Ein Plot, wie man ihn mittlerweile aus jedem dritten Jugendbuch kennt. Dass Cirkeln nun verfilmt wurde, ist nach dem Hype des Buches kein Wunder.

Zweieinhalb Stunden sitzt man im Kinosessel und begleitet die sechs Mädchen auf ihrem Weg, das Böse zu vernichten. Ein unterhaltsamer Film, der den Zuschauer mitraten lässt, wer sich hinter dem Mörder der anderen Hexen verbirgt.
Was den Rätselspaß ein wenig hemmt ist die Vorhersehbarkeit der Handlung. Ich persönlich war mir schnell sicher, wer die „von den Dämonen gesegnete Hexe“ war und auch sehr enttäuscht, als sich meine Vermutung am Ende als wahr erwies.

Dazu wurde mit vielen Klischees gearbeitet. Nehmen wir uns beispielsweise die sechs Heldinnen vor. Es gab das Mobbingopfer, die Sportliche, die Zicke, die Oberflächliche, den Emo und die Normale. Klar, wer am Ende die Auserwählte ist. Ich fand es interessant, dass nicht unbedingt alle von ihnen sympathisch dargestellt wurden. Erstere war ungepflegt, wirkte immer griesgrämig und setzte ihre Kräfte vor allem lange Zeit gegen andere ein. Dass die Zicke und der Emo erstmals ebenfalls nichts gerade Publikumslieblinge waren, versteht sich glaube ich von selbst.

Außerdem waren die Schauspieler wirklich passend. Es gab niemanden, der aufgesetzt wirkte oder dem man seine Rolle nicht abkaufte. Natürlich, einiges wirkte ein wenig übertrieben, aber ich denke, das passiert allzu schnell, wenn sich die Handlung um Übernatürliches dreht.

Ein äußerst unterhaltsamer, durch die Länge leicht anstrengender Film, der sich vermutlich vor allem an Mädchen richtet, die auf übernatürliche Geschichten stehen.

11.02.15, Johanna Gosten

Die Tradition der britischen Musikfilme

Auch dieses Jahr gibt es mit "The Beat Beneath My Feet" ein britischen Musikfilm, der somit die Tradition weiterführt von solchen Filmen im Programm der Generation. Letztes Jahr lief "God Help The Girl" im Programm, welcher von einem Mädchen handelt, welches mit einem weiteren Mädchen und einem Jungen eine Band gründet. - Wer über diesen Film noch(-mal) etwas lesen möchte kann auf unserem Blog einfach auf 2014 (oben in der Leiste) klicken und sich Kritiken dazu anschauen. Auf jeden Fall wurde diese Tradition nun fortgeführt, Berlinale Generation Team dürfen wir uns auf eine Verlängerung im nächsten Jahr freuen..?
Man muss sagen, diese Filme und in diesem Fall "The Beat Beneath My Feet" sind Filme die einen super unterhalten und es schaffen diese Unterhaltung und ernstere Themen in einem Film zu vereinen. Heute hat der ganze Saal so oft gelacht und man musste immer wieder grinsen, deswegen ist es meiner Meinung nach Entertainment auf hohem Niveau. Seit auf jeden Fall gespannt auf das Interview mit Hauptdarsteller, Regisseur und Produzent welches wir nach dem Screening geführt haben. Fazit: "The Beat Beneath My Feet" ist ein unterhaltsamer Film, welcher Storytechnisch aber nicht so stark ist wie andere Generation Filme. Es ist eben ein Musikfilm und kein Film mit einer extrem tiefgründigen Story auch wenn es solche Aspekte hat. Es ist aber ein Film mit einem Hauptdarsteller der seine Träume verwirklicht.
11.02.2014, Mia